Augsburger Allgemeine vom 14. Februar 2005

Die Häuslebauer investieren wieder

Weit über 12 000 Besucher bei Immobilientagen und Baumesse -
Viele Handwerker blicken optimistisch in die Zukunft

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha Borowski

Max Seitz liest täglich die Zeitung. Und damit auch die Schlagzeilen aus der Baubranche. "Walter Bau in Insolvenz", "Schwierigkeiten bei Gärtner Bau" sind zwei aus jüngster Zeit. Typisch? Von wegen. "Dem Bauhandwerk geht es nicht so schlecht, wie immer gesagt wird", meint der Mann von Stempfle Hoch- und Tiefbau. Und er ist nicht der Einzige. Über 12 000 Menschen, so die Veranstalter, besuchten am Wochenende Immobilientage und Baumesse "Im Lot" im Messezentrum. Die Aussteller freuten sich über große Resonanz - und neue Aufträge.

Georg und Elisabeth Steichele sind gern gesehene Besucher am Samstag in der Schwabenhalle. Ganz genau inspizieren sie die ausgestellten Waschbecken und Wannen, besorgen sich Broschüren, diskutieren mit den Fachleuten an den Ständen über Preise und Gestaltungsmöglichkeiten. Das Ehepaar muss sein altes Bad sanieren: "Da liegt es doch nahe, herzukommen." Eine Ansicht, die Aussteller wie Max Seitz in ihrer Meinng bestärkt: "Viele Menschen haben sich die letzten Jahre mit Investitionen zurückgehalten. Jetzt ist der Bedarf an privaten Sanierungen und Reparaturen umso größer."

Das Handwerk, so ist es an den Ständen immer wieder zu hören, verspürt einen Aufwind. Trotz der schlechten Nachrichten über Entlassungen bei Baukonzernen, über Firmenpleiten und "Geiz-ist-geil"-Mentalität: "Vor allem die ältere Generation investiert", hat Hubert Riedel vom Fliesenstadl festgestellt. "Unternehmen, die von Grund auf gewachsen sind, die ihre Kunden ernst nehmen, geht es deshalb nicht schlecht." Und davon gibt es viele - auch und gerade bei der Kombi-Messe. Zum vierten Mal finden Augsburger Immobilientage und Baumesse "Im Lot" gemeinsam statt. 180 Aussteller präsentierten sich drei Tage lang in Schwabenhalle und Halle 7. Darunter sind Handwerksbetriebe und Finanzdienstleister aus dem bayerisch- schwäbischen Raum, aber auch Immobilienfirmen aus dem In- und Ausland.

Die ersten Besucher sind am Samstagmorgen schon um kurz nch 9.30 Uhr an den Messetoren. Es füllt sich schnell, das Interesse ist sichtlich groß. Nicht nur dort, wo es um Sanierungen, um Innenausbau und Werterhalt von alten Häusern geht. Auch eher exklusive Angebote kommen an. Udo Kresta hält einen ganzen Stapel von Adressen in der Hand - die Ineressentenliste von zwei Tagen. Kresta ist Geschäftsführer der Eser&conform GmbH. Diese hat sich auf Bau und Vertrieb von "Lofts" spezialisiert, also Wohnungen in renovierten Fabrikgebäuden wie die ehemalige Textilmanufaktur in Göggingen. "Man muss in Nischen reingehen und der Preis muss stimmen", sagt Kresta. "Dann ist das Interesse bei den Menschen da." "Wenn der Standard stimmt, gibt es auch Käufer", ist die Überzeugung von Reiner Bayer. Er ist freier Planer bei Holzfritz, die sich auf ökologischen Hausbau konzentrieren. Ein heiß umkämpfter Markt, aber auch ein wachsender. Das merkt Bayer auch, weil er hier ein Beratungsgespräch nach dem anderen führt. Sein Fazit: "Die Resonanz ist sehr gut."

"Tut auch den Kleinen weh"

Eitel Sonnenschein, wohin man blickt? Das wäre übertrieben. Die Krise bei Walter Bau ist - wie berichtet - auch an vielen kleineren Unternehmen nicht spurlos vorübergegangen. Hans-Jürgen Fendt von der gleichnamigen Fensterbau-Firma in Gersthofen ist so ein Fall. Er hatte Aufträge des Konzerns bekommen. "Wenn die Großen kaputtgehen, tut es auch den Kleinen weh", weiß der Handwerker aus eigener Erfahrung. Jetzt macht er das Beste draus und wirbt auf der Messe für sein Unternehmen. "Privatkunden sind gerne gesehen", sagt Fendt. "Und davon gibt es hier ja viele." - EinBlick

info: Immobilientage und Baumesse "Im Lot" finden vom 10. bis 12. Februar 2006 wieder gemeinsam statt.

EinBlick

Auch gute Nachrichten aus der Baubranche

Na also, es geht doch. 12 000 Menschen sind an den vergangenen drei Tagen im Messezentrum gewesen. Sie haben sich über Häuser und Wohnungen informiert, über Ausbau und Sanierung, über Finanzierungsmöglichkeiten und über das heimische Handwerk. Viele Aussteller zogen gestern eine entsprechend positive Bilanz bei Augsburger Immobilientagen und Baumesse "Im Lot", blicken optimistisch in die Zukunft. Und das sicher nicht ganz zu Unrecht, wie die große Besucherresonanz zeigt. Denn wer überhaupt kein Interesse am Bauen und Renovieren hat, wird wohl kaum auf Messen gehen, die sich diesen Themen widmen. Ganz sicher bewährt hat sich dabei das Konzept, Immobilientage und Baumesse "Im Lot" gemeinsam, aber in getrennten Hallen zu veranstalten. So haben die Aussteller mehr Platz zu zeigen, was sie können. Und das ist eine Menge.
S. Borowski

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